Die Zukunft der europäischen Stahlindustrie

Am 03. Mai fand in Duisburg, an Europas größtem Stahlstandort, eine Großdemo statt. Anlass war die Ankündigung eines Sparprogramms durch ThyssenKrupp.
Davon wären alleine in Duisburg 16.000 Arbeitsplätze direkt betroffen. Da ich nicht persönlich vor Ort sein konnte, habe ich mich mit einer Videobotschaft an die Betroffenen und Demonstrierenden gewendet:

„Die Aktionen um die es heute geht haben zwei Dimensionen. Einerseits geht es darum, dass für viele tausend Menschen die Sorge um den Arbeitsplatz eine ganz bedrohliche Sache ist und natürlich versichern wir allen Betroffenen unsere Solidarität. Zugleich geht es auch um die Zukunft der Stahlindustrie in Deutschland und Europa insgesamt. Wenn der größte Stahlstandort in Europa so in Bedrängnis gerät, dann heißt das natürlich etwas für die Zukunftsfähigkeit unserer Industrie. Und wir wollen die Stärke der Industrie weiter ausbauen, wir wollen auch eine Grundstoffindustrie und wir wollen auch das es in Europa in Zukunft eine moderne Stahlindustrie gibt. Deswegen engagieren wir uns ebenfalls. Ich glaube es gibt zwei Fronten an denen man vor allem kämpfen muss. Natürlich muss man gegen Missmanagement kämpfen und man muss dagegen kämpfen, dass die Probleme die in der Wirtschaft entstehen immer auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden. Aber darüber hinaus sehe ich zwei Auseinandersetzung in denen wir in Europa, damit wir mit unserer Industrie, mit der Stahlindustrie, eine Zukunft haben, einfach besser werden müssen. Das eine ist der Bereich Innovation. Wir sind dazu verurteilt bei der Innovation vorne weg zu laufen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Das heißt zum Beispiel, ganz konkret, das Projekt Carbon2Chem. Dieses Projekt öffnet ganz neue Möglichkeiten zur Energie- und Ressourceneffizienz. Ich glaube die Art von Versuchen besser zu sein als andere, besser als wir selber es bisher waren, die sind ganz enorm wichtig. Die muss man unterstützen und das unterstützen wir durch die europäische Politik. Und das Zweite ist die Front wo wir uns wehren gegen Dumpingexporte z.B. aus China. Wo heute dortige Überkapazität bei uns in die Märkte gedrückt werden, mit fatalen Konsequenzen. In Großbritannien sind deswegen schon tausende Arbeitsplätze verloren gegangen. Und das kann nicht sein, denn das ist unfairer Handel, ganz schlicht. Und deswegen hat sich das Europäische Parlament da sehr verbündet mit den Gewerkschaften, mit der Stahlbranche, mit anderen Branchen, um zu sagen, wir brauchen hier Außenhandelsregeln, die auf der einen Seite natürlich mit den WTO-Recht kompatibel sind, aber dafür sorgen, dass wir nicht wehrlos und hilflos sind gegen solche Dumpingexporte. Und auch an der Stelle, glaube ich, können und müssen wir besser werden. […] Ich hoffe, dass wir zusammen erfolgreich dafür arbeiten können, dass unsere Industrie, gerade weil wir sie brauche für eine ökologische Innovation unserer Gesellschaft insgesamt, auch in Zukunft erfolgreich ist.“

Hier das komplette Video.