Gutes Signal im Glyphosat Skandal: Neuzulassung des Totalherbizid-Wirkstoffs vorerst verschoben

Bütikofer und Suhr: Keinen Schritt weiter – Zur Glyphosat-Neuzulassung Vertagung beschlossen
Der Landwirtschaftsausschuss der EU-Mitgliedstaaten in Brüssel hat heute über die Neuzulassung des Totalherbizid-Wirkstoffs Glyphosat beraten. Wegen des massiven Protests aus der Zivilgesellschaft, der auch von der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament unterstützt wird, konnte die EU-Kommission allerdings keine Mehrheit für ihren Vorschlag finden und die Entscheidung wurde bis auf Weiteres verschoben.
Dazu erklärt Reinhard Bütikofer, Mitglied des Europäischen Parlaments in der Fraktion Die Grünen/EFA: „Eine Vertagung war wohl die einzig mögliche Entscheidung. Denn bis nicht alle relevanten Bewertungen und Forschungsberichte auf dem Tisch liegen, ist eine Entscheidung darüber nicht möglich. Außerdem ist dies bereits ein Erfolg für die Glyphosat-Gegner. Denn lange Zeit sah es danach aus, dass die Staaten einstimmig für eine weitere Zulassung votieren. Doch Frankreich, die Niederlande und Schweden haben nun offen Widerstand gezeigt. Auch Deutschland muss hier dem Vorsorgeprinzip folgen. Dass es ackerbauliche Alternativen zu Glyphosat gibt, hat das bundeseigene Von-Thünen-Institut erst kürzlich belegt.“
Jürgen Suhr, Fraktionsvorsitzender der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in M-V führt fort: „Glyphosat ist keineswegs nur ein harmloses Pflanzenschutzmittel – es ist ein Pflanzenvernichtungsmittel, das im Verdacht steht, Krebs zu verursachen. Allein dieser Verdacht, der bislang nicht ausgeräumt werden konnte, sollte die EU-Mitgliedsstaaten zu einer eindeutigen Ablehnung der Neuzulassung veranlassen. Das Vorsorgeprinzip und damit die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger sollte über wirtschaftlichen Interessen stehen. Dass der Stoff in unseren Lebensmitteln und sogar im menschlichen Urin in bedenklichen Konzentrationen zu finden ist, wie kürzlich veröffentlichte Studien belegen, ist angesichts der ungeklärten Langzeitwirkungen sehr besorgniserregend. Denn bei hormonell wirksamen Substanzen reichen schon kleinste Mengen um großen Schaden anzurichten.“
————————
Hintergrund:
Glyphosat ist eine Chemikalie, die in Pestiziden wie „Roundup“  von Monsanto verwendet wird. Inzwischen ist es die meist verwendete  Chemikalie aller Zeiten. Seit das Mittel im Jahr 2002 erstmals in der EU zugelassen wurde, ist seine Verwendung deutlich gestiegen. Auf etwa 40 Prozent der Ackerbaufläche wird es verteilt. Glyphosat wird nicht nur intensiv angewendet, sondern ist auch höchst umstritten. Die Zulassung für seine Verwendung läuft Ende Juni 2016 aus. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die Zulassung bis 2031 zu verlängern. Obwohl sie selber in ihrer Vorlage für die Genehmigung einräumte, dass die Bewertungen, ob Glyphosat hormonelle Wirkungen auf den Menschen habe, noch nicht abgeschlossen seien. Der Kommissionsvorschlag war Gegenstand eines Treffens am 7. und 8. März, bei dem sich die EU-Regierungsvertreter positionierten.