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Offener Brief an den Vorstand der Deutschen Bank: Verantwortung wahrnehmen und Kohlefinanzierung beenden

 

Anlässlich der angekündigten Reformmaßnahmen der Deutschen Bank rufen zahlreiche grüne Europa- und Bundestagsabgeordnete die beiden Vorstandsvorsitzenden Cryan und Fitschen dazu auf, ihr finanzielles Engagement im klimaschädlichen Kohlesektor zu beenden. Sie fordern das Institut dazu auf, sich dem rasant anwachsenden Teil der Finanzindustrie anzuschließen, der Verantwortung für einen nachhaltigen Umbau unserer Energieversorgung und Wirtschaft tragen will und die Umsetzung der Pariser UN-Klimavertrages unterstützt.

Hintergrund: Erst kürzlich kündigte der Allianz Konzern den Ausstieg aus Investitionen in die Kohleindustrie (Divestment) an und folgte damit anderen Institutionen, die 2015 ähnliche Entscheidungen getroffen hatten, darunter u.a. die französische AXA oder der norwegische Staatsfonds. Die Verantwortung für Klima und Umwelt geht hier Hand in Hand mit unternehmerischer Vernunft – so warnen Finanzmarktanalysten seit geraumer Zeit vor einer CO2-Blase und einer überfälligen Abwertung von Finanztiteln aus dem fossilen Energiesektor. Immer noch gilt die Deutsche Bank jedoch als Deutschlands größer Kohlefinanzierer und ist global unter den „Top Ten“.

 

 

20160127_Offener Brief Deutsche Bank
Unser Schreiben

Sehr geehrter Herr Cryan, sehr geehrter Herr Fitschen, sehr geehrte Herren Vorstandsvorsitzende,

am heutigen Donnerstag stellen Sie auf der Jahrespressekonferenz Ihres Instituts unter anderem das vorläufige Jahresergebnis 2015 vor. Auf empfindliche Verluste hatten Sie Ihre Aktionäre, Medien und Öffentlichkeit schon über die letzten Tage vorbereitet – und entsprechend konsequente Reformen und Sanierung angekündigt.

Wir möchten Sie um mehr Reformen an einem uns besonders wichtigen Punkt bitten. Nur knapp sieben Wochen ist es her, dass sich Staats- und Regierungschefs aus 195 Ländern – auch unter großer Beteiligung des Privatsektors – in Paris dazu verpflichtet haben, die globale Erwärmung auf zwei oder besser 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Zahlreiche Finanzakteure haben bereits Strategien entwickelt, die ihr finanzielles Wirken mit einem solchen Ziel in Einklang bringen. Private Institute stoppen die Finanzierung von Kohlekraft oder verkaufen ihre Beteiligungen, um dem Wertverlust fossiler Anlagen vorwegzugreifen – so jüngst beispielsweise der Allianz-Konzern.

Die Deutsche Bank stand hier bisher leider abseits. Sie wissen es sicher: Weltweit ist Ihr Institut unter den unrühmlichen Top Ten der Unterstützer der Kohleindustrie – in Deutschland sogar „Spitzenreiter“. Damit fördert die Deutsche Bank auch global die energie-, klima- und entwicklungspolitisch verheerenden Irrfahrten von Unternehmen wie Glencore oder Coal India.

Als grüne Abgeordnete des Europäischen Parlaments und des Deutschen Bundestages wollen wir Ihre Reformankündigung zum Anlass nehmen für folgenden Appell: Beenden Sie Ihr finanzielles Engagement in der Kohleindustrie, anstatt Klima- und Umweltschäden für weitere Jahrzehnte zu unterstützen. Nutzen Sie die Chance für eine ernsthafte Transformation Ihres Instituts hin zu mehr Nachhaltigkeit und schließen Sie sich dem immer größer werdenden Teil der Finanzbranche an, der Verantwortung für einen entsprechenden Umbau unserer ganzen Wirtschaft tragen will.

Mit besten Grüßen

Reinhard Bütikofer (MdEP), Sven Giegold (MdEP), Toni Hofreiter (MdB), Annalena Baerbock (MdB), Gerhard Schick (MdB), Sven-Christian Kindler (MdB), Helga Trüpel (MdEP), Bärbel Höhn (MdB), Dieter Janecek (MdB), Jan Philipp Albrecht (MdEP), Oliver Krischer (MdB), Katharina Dröge (MdB)

PDF – Offener Brief Deutsche Bank