Vom Divestment gegen das südafrikanische Apartheidsregime zum Carbon Divestment heute

In einem aktuellen Gastbeitrag im Guardian erklärt Piers Telemacque, Vizepräsident der amerikanischen Studentenvertretung (National Union of Students NUS) für globale Gerechtigkeit, welche Bedeutung Divestment während des südafrikanischen Apartheidregimes – und insbesondere für dessen Ende 1994 – hatte und was die heutige Carbon Divestment Bewegung aus dieser Erfolgsgeschichte mitnehmen kann.

Während den 1970ern und 80ern war Divestment, in diesem Fall der Abzug aller Investitionen aus dem autoritären südafrikanischen Staat, eine entscheidende Strategie unter anderem des NUS und anderer Studentenbewegungen, um Druck auf die rassistische Staatsführung auszuüben und das Regime finanziell sowie politisch auszuhöhlen. Innerhalb von weniger als zehn Jahren wurden fast 350 Millionen US$ aus Südafrika abgezogen und als die Investmentbank Barclays schließlich ein absolutes Divestment verkündete, verwies sie als Erklärung auf den Druck der studentischen Divestmentkampagne. „Divestment funktioniert. Einfacher kann ich es nicht ausdrücken“, so Telemacque. Und deswegen, fährt er in seinem Plädoyer fort, sei es so sonderbar und frustrierend, die lahmen Argumente zu hören, die heute gegen die Fossile-Brennstoff-Divestmentkampagne vorgebracht werden.

Unser Divestment würde konventionelle Energieunternehmen nicht ruinieren, da unsere Investitionen lediglich einem Tropfen auf dem heißen Stein glichen; wenn wir verkaufen, kauft einfach jemand anderes die Anlagen, so ein gängiges Argument. Doch dies sei nicht der Punkt, hält Telemacque dagegen. Keiner sei davon ausgegangen, die Apartheid durch einen Staatsbankrott, ausgelöst durch das Divestment, beenden zu können. Im Zentrum der Kampagne stand die Delegitimation des undemokratischen Regimes, die Schaffung eines öffentlichen Bewusstseins sowie die Ausübung politischen Drucks. Ohne die moralische Kraft von Divestment, hätte es so einen lauten öffentlichen Aufschrei gegen die südafrikanische Rugby-Tour oder die Einladung Margaret Thatchers an den südafrikanischen Premierminister PW Botha gegeben? Wahrscheinlich nicht.

Universitäten sollten ihre Investitionen nicht politisieren und ihre gesamten Gelder und Mittel dafür einsetzen, die beste Bildungseinrichtung wie nur möglich zu werden, so ein weiteres Argument der Divestment Gegner*innen. Dem könne er prinzipiell zustimmen, so Telemacque, der sich gegen Rassismus und Austerität einsetzt. Aber dies bedeute zu einem Großteil, sich für eine nachhaltige Gesellschaft und Wirtschaft einzusetzen – und nicht den Klimawandel zu fördern! Es ist schwierig sich eine Organisation wie etwa die britische Ärztekammer (British Medical Association BMA) vorzustellen, die in Tabakfirmen investiert und sagt: „Wir politisieren unsere Investitionen nicht, alles woran wir interessiert sind, ist die Gesundheit der Menschen!“ Das macht offensichtlich absolut keinen Sinn. Und deswegen haben eine Menge Gesundheitsorganisationen in den letzten Jahren ihre Investitionen aus Tabakfirmen abgezogen.

Jetzt sei es unsere Aufgabe, zu Divestment aus fossilen Brennstoffen aufzurufen, schließt Telemacque. Jeder einzelne müsse den politischen und moralischen Druck erhöhen, sei es auf Universitäten, Glaubensgemeinschaften, lokale Autoritäten oder große Institutionen wie den Welcome Trust oder die Gates Foundation, die der Guardian bereits in einer Petition zu Divestment auffordert.

Hier geht’s zum Artikel und zur Petition.

 

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