Schiefergas: Industrie-Ausschuss verwechselt Hoffnung und Realität

PRESSEMITTEILUNG – Brüssel, 18. September 2012

Schiefergas: Industrie-Ausschuss verwechselt Hoffnung und Realität

Heute stimmte der Industrie-Ausschuss des Europäischen Parlaments zum Bericht über die Industrie-, Energie-, und andere Aspekte von Schiefergas und -öl ab. Dazu erklärt Reinhard Bütikofer, stellvertretender Vorsitzender und industriepolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA:

Die heutige Abstimmung des Industrie-Ausschusses zu Schiefergas verwechselt Hoffnung und Realität. Der Bericht behauptet, das gegenwärtige europäische Regelwerk reiche für Schiefergas aus. Nur bei einer umfassenden Ausbeutung dieser unkonventionellen Energiequelle sei eine mögliche Anpassung nötig. Allerdings kommen zahlreiche neue Studien der Europäischen Kommission und des Umweltbundesamts, welche im Bericht erst gar nicht einbezogen werden, zu einem anderen Ergebnis.

Das europäische Regelwerk zu Schiefergas muss rasch um  Umweltverträglichkeitsprüfungen ergänzt werden. Der Industrieausschuss blieb hier auf dem ökologischen Auge völlig blind.

 In dem Beschluss des Industrieausschusses wird Schiefergas als Wunderwaffe gegen den Klimawandel und für die Energiesicherheit dargestellt. Dabei hatte kürzlich Fatih Birol, Chef-Ökonom der Internationalen Energieagentur, erläutert [1] dass großzügige Ausbeutung von Schiefergas das 2-Grad Klimaziel scheitern lasse. Neueste Studien der Europäischen Kommission belegen auch, dass Europa selbst mit Schiefergas-Erschliessung weiterhin 60% seines Erdgasbedarfs importieren müsse.

Ohne Einbeziehung der neuesten Studien ist der Schiefergasbericht des Industrie-Ausschusses nicht auf dem Stand der Forschung und wird den Sorgen Europas Bürgerinnen und Bürger nicht gerecht.“

 
Photo credit:  Nicholas A. Tonelli (Flickr)