31. Januar 2011

Die Karriere der Seltenen Erden

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Was “Seltene Erden” seien, wußte noch vor einem halben Jahr nur ein recht enger Kreis von Experten. Mittlerweile steht das Thema ganz oben auf der Liste nationaler wie europäischer Industriepolitik.

Seltene Erden trifft man überall dort, wo (Öko-) Innovation und Industrie sich begegnen. In Elektro-Fahrzeugen und in Windrädern. In besonders starken Magneten und in LED-Lampen. In iPhones und Computern. Der Verbrauch Seltener Erden steigt immer schneller. Ohne Seltene Erden würde der Weg zu einer CO2-armen Wirtschaftsweise sehr viel länger. Wer keinen Zugang zu Seltenen Erden hat, droht den Innovationswettlauf zu verlieren.

Derzeit besitzt China fast ein Monopol bei der Förderung und Verarbeitung dieser Rohstoffe: mehr als 95% des Weltverbrauchs stammen aus dem Reich der Mitte. China hat nun aber angefangen, den Export zu begrenzen und zu verteuern. Wie geht die Europäische Union damit um? Wie sollte sie damit umgehen?

Mit ihrer versprochenen Rohstoffstrategie tut sich die Europäische Kommission schwer. Wegen interner Uneinigkeit wurde die Veröffentlichung schon drei mal verschoben. Soll man gegenüber China und anderen rohstoffreichen Ländern eine Konfrontationsstrategie wählen oder auf Kooperation setzen? Soll man bei Seltenen Erden und anderen wichtigen Industrie-Rohstoffen vor allem ausreichenden Zugang zur Förderung in Drittländern ins Auge fassen oder Rohstoff-Effizienz und Recycling in das Zentrum stellen?

In der öffentlichen Erregung um das Thema sollte eine nüchterne Bestandsaufnahme von Bedarf und Angebot, von Risiken und Handlungsoptionen nicht fehlen. Deshalb habe ich mit Unterstützung der Grünen/EFA Fraktion im Europäischen Parlament als Berichterstatter zum Thema Rohstoffe eine Studie über Seltene Erden beim Ökoinstitut in Auftrag gegeben. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei beim Stichwort Recycling der Seltenen Erden. Noch findet das praktisch nicht statt. Geht das überhaupt?

Die Studie wurde am 31.01.2011 einem Fachpublikum präsentiert und ist hier online auf meiner Homepage verfügbar. Die Diskussion während der Präsentation ist bald auf dieser Webseite als Video verfügbar.

Die Studie zum Download (.pdf, ca. 1,6 MB)


Foto: Dried Clay Texture von Mr. Cody, lizensiert unter Attribution-ShareAlike 2.0 Generic

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10 Kommentare »

  • Matthias K. meint:

    Diese Studie werde ich mir zu Gemüte führen. Bin gespannt, inwieweit das Recycling von Seltenen Erdenen praktisch möglich und auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Die Studie wird darauf wohl eine Antwort geben.

    Mit besten Grüßen aus dem Land des shale gas

    Matthias

  • Mario G. meint:

    Ein wirtschaftliches Verfahren zum umfassenden Recycling dürfte selbst bei weiter stark anziehenden Preisen kaum möglich sein. Dafür ist der Lanthanoidengehalt innerhalb der Produkte meist viel zu gering. Man braucht ja nur ein Blick auf den Kationentrennungsgang werfen und erahnt, was vorher alles abgetrennt werden müsste.

    Schon vor 20 Jahren kamen die Chinesen an unsere Unis, weil sie mit ihren Seltenen Erden nichts anfangen konnten. Wir haben sie kostenlos auf diesem Gebiet ausgebildet. Jetzt müssen wir uns nicht wundern, wenn sie ihr Wissen gewinnbringend nutzen. Und die wissen genau, was sie tun.

    Beste Grüße aus der Hauptstadt

    Mario

  • Reinhard meint:

    @Matthias, @Mario:
    Ein one-size-fits-all-Recycling-Konzept für Seltene Erden kann es nicht geben. Aber Schritt für Schritt läßt sich ein Recycling aufbauen, das zeigt die Studie. Dabei ist es allerdings nicht zwingende Voraussetzung, dass sich das Recyclen von Seltenen Erden genau so rechnet wie derzeit das von Gold, Silber, Palladium etc. Man könnte auch überlegen, ob man die beim Recycling eingesparten CO2-Emissionen (im Vergleich zum primary mining) monetarisiert über Zertifikate.
    Was China betrifft, so muss man schlicht festhalten, dass die in Bezug auf Rohstoffe eine staatliche Industriepolitik verfolgen, während bei uns die Markt-Orthodoxie viel zu lange die Notwendigkeit von Industriepolitik insgesamt in Frage stellte. Selbst das Wort war ja bei vielen Tabu. Andererseits verlässt sich China nicht auf Ausbildung an “unseren” Universitäten, sondern ist selbst wissenschaftlich bei Seltenen Erden inzwischen führend.

  • Hildegard meint:

    Ein one-size-fits-all-Recycling-Konzept für Seltene Erden kann es nicht geben. Aber Schritt für Schritt läßt sich ein Recycling aufbauen, das zeigt die Studie. Dabei ist es allerdings nicht zwingende Voraussetzung, dass sich das Recyclen von Seltenen Erden genau so rechnet wie derzeit das von Gold, Silber, Palladium etc. Man könnte auch überlegen, ob man die beim Recycling eingesparten CO2-Emissionen (im Vergleich zum primary mining) monetarisiert über Zertifikate.
    Was China betrifft, so muss man schlicht festhalten, dass die in Bezug auf Rohstoffe eine staatliche Industriepolitik verfolgen, während bei uns die Markt-Orthodoxie viel zu lange die Notwendigkeit von Industriepolitik insgesamt in Frage stellte. Selbst das Wort war ja bei vielen Tabu. Andererseits verlässt sich China nicht auf Ausbildung an “unseren” Universitäten, sondern ist selbst wissenschaftlich bei Seltenen Erden inzwischen führend.

  • Evi meint:

    Giebt es diese Studie auch auf Deutsch?

  • Reinhard meint:

    @Evi: Nein, die Studie gibt es nur auf Englisch. War einfach für EU-Verbreitung sinnvoller. Reinhard

  • Bernhard meint:

    Hallo liebe grüne Recyler,
    aufmerksam geworden bin ich durch die Märzausgabe des Schrägstrich. Reinhard hat obige Studie beim Öko-Institut Freiburg zum Recycling von Seltenen Erden in Auftrag gegeben und bemängelt hier einen sichtbaren Fortschritt von Forschung und Industrie.
    Aber: Ex oriente Lux!
    Vom 1.- 2. März 2011 fand in Freiberg/Sa. ein Innovationsforum zum Recycling Seltenen Erden statt. Neben den Dünnschicht-Photovoltaik-Zellen mit Indium, Gallium, Tellur, Molybdän wurden auch das Recycling von Leuchtstoffenund Katalysatoren behandelt. Obwohl aufgefordert, konnte kein!!! Vertreter des Öko-Institutes an der Tagung teilnehmen, von einer Vorstellung der Studie ganz zu schweigen. In der Studie findet sich auch kein Hinweis auf das Recycling von Photovoltaik-Zellen! Die Tagung war eine vollkommen runde Sache.
    Aus meiner Sicht: Wenn Reinhard zur Eröffnung dagewesen wäre, hätten wir Grüne deutschlandweit einen saftigen Wahl-Bonus erhalten. Und das im Vorfeld des Mammutwahljahres 2011. Schließlich waren dort Wähler, die den Grünen nicht immer positiv gegenüber stehen.
    Die Tagung wurde immerhin von > 150 Teilnehmern aus dem In- und Ausland besucht. Hier die Adresse: http://www.loserchemie.de/innoforum.html
    Mit grünen Grüßen
    Bernhard

  • Matthias K. meint:

    3sat Nano Bericht zum Recycling Seltener Erden.

    “Der Chemiker Wolfram Palitzsch kann in einer Pilotanlage seltene Erden aus vielerart Elektroschrott wie Neonröhren und Photovoltaikmodulen zurückgewinnen.”

    http://www.3sat.de/mediathek/?obj=24319

    Technisch, aber möglicherweise dennoch interessant. Matthias

  • Reinhard meint:

    @Bernhard:
    Es geht nicht immer alles, was man tun möchte. Vor allem nicht gleichzeitig. Ich war über die Tagung in Sachsen im Vorhinein informiert, aber ich konnte nicht kommen. Ich habe mich auch aktiv darum bemüht, dass jemand vom Öko-Institut eventuell dort die Studie vorstellen kann, konnte aber niemand loseisen. Ich bin überzeugt, dass die Veranstaltung trotzdem sehr gut war, hatte das auch von dritten schon gehört.
    Schöne, grüne Grüße,
    Reinhard

  • Reinhard meint:

    @Matthias:
    Danke für den Hinweis. Kenne Wolfram Palitzsch und schätze ihn sehr.
    Gruß,
    Reinhard

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