Bütis Woche: 18.05.2010, Es scheint, sie baden gern lau.
Die Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, die sehr viel wichtige Arbeit leistet, muss, so gehört sich das darüber natürlich, auch informieren. Die entsprechende Publikation heißt – “Umwelt für Europäer” – beim Gender Mainstreaming hinkt diese Generaldirektion anscheinend noch etwas hinterher. Die neuste Ausgabe von “Umwelt für Europäer” flatterte mir jetzt auf den Tisch. Die Titelseite ist hier abgebildet.
Wie geht es Ihnen/Euch damit? Mich regt sowas auf. Da wird fünf Monate nach Kopenhagen das dortige Scheitern beim Versuch ein Klimaabkommen zu Stande zu bringen immer noch schön geredet: “Erster Schritt zum…”. Natürlich ist es wahr: Selbst ein Rückschritt ist ein Schritt. Aber ehrlich wäre es doch, den Rückschlag einzugestehen. Ignoranz kann es nicht sein, dass man das nicht tut. Kann man den Europäern den Klartext nicht zumuten? Oder hat man sich einfach an eine bürokratische Kommunikation gewöhnt, die im Zweifel selbst eine tickende Uhr als Beweis für Fortschritt verkauft? Und dann der Wecker! Bei dem ist es schon nach 12. Wäre es so, käme es auf wirkliche Schritte “zum globalen Klimaankommen” natürlich nicht mehr an. Hedegaard, hilf!
Und was hat das mit dem Baden zu tun? Naja, Wehner sagte einmal über Brandt, als er dessen Unentschiedenheit geißeln wollte: “Der Herr badet gern lau.”





















[...] This post was mentioned on Twitter by Reinhard Bütikofer, Sassan Gholiagha. Sassan Gholiagha said: RT @bueti: Es scheint, sie baden gern lau. http://bit.ly/9fulyM #fb [...]
Das nennt man wohl Zweckoptimismus. Ob der ganzen “es gibt keinen Klimawandel”-Spinner, die inzwischen leider jedes Webforum zu diesem Thema überrannt haben und einer früheren US-Politik, die in die gleiche Richtung lief, muss man wohl schon von einem Erfolg reden, wenn überhaupt die Existenz eines Problems von allen anerkannt wird.
Das ganze ist imho vor allem an der Frage der Verteilung der zulässigen “Restmengen” gescheitert – die Industrienationen wollen dabei jedem Land eine Reduzierung um 50% aufbrummen (was für die USA ein Witz, für China aber fast unmöglich ist); die Schwellenländer einen Pauschalwert pro Kopf. Aus diesem Grunde würde ich auch versuchen, ein _wesentlich_ kleineres Abkommen anzustreben: Nur ein Abkommen zwischen den großen Industrienationen – die EU und Japan verpflichten sich zu einem bestimmten Wert (meinetwegen -50% bis 2030 [das sich einzelne davon bereits zu mehr verpflichtet haben, ist jetzt erstmal egal!]) und die USA dazu, den Pro-Kopf-Ausstoß auf das gleiche Niveau zu senken (was für diese eine Reduzierung um 75% bedeutet). Alleine das würde eine weltweite Reduzierung um etwa 25% bedeuten und ist nach meinem Eindruck technisch relativ leicht erreichbar. Im Weiteren kann man dann versuchen, weitere Länder in dieses Abkommen einzubeziehen – dabei aber nicht die Energie an Staaten “verschwenden”, die sowieso unter dem “tragfähigen” Durchschnitt liegen (etwa Indien oder die meisten afrikanischen Staaten) oder wo jede Vorhersage sowieso unmöglich ist (China!).