Bütis Woche: 27.01.2010, Preis des Mittelstand, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern
Zwei mittelständische Unternehmen (beides Ausbildungsbetriebe) habe ich für den Großen Preis des Mittelstandes, der durch die Oskar-Patzelt-Stiftung ausgelobt wird, vorgeschlagen:
In Sachsen – auf Vorschlag von Michael Weichert – das Familienunternehmen RATAGS Holzdesign HEIPRO GmbH. Dort wird in Handarbeit und an Maschinen, die aus eigenen Innovationen entstehen, erzgebirgische Holzkunst hergestellt und in die ganze Welt geliefert. Neben der Produktion gibt es innerhalb der zwei restaurierten Dreiseitenhöfe Verkauf, Gastronomie, Herberge, Streichelzoo, Spiel- und Parkplatz sowie eine Schauwerkstatt.
In Mecklenburg-Vorpommern – auf Vorschlag von Jürgen Suhr – das Traditionsunternehmen Stralsunder Brauerei. Mit ihrer eigenen ökologischen Landwirtschaft schaffen sie zusätzliche Arbeitsplätze und stärken den regionalen Biokreislauf. Anfang letzten Jahres haben sie den erhaltenen Bundesehrenpreis an Ilse Aigner wegen deren Genehmigung für Freilandversuche mit gentechnisch veränderter Gerste in Mecklenburg-Vorpommern zurückgegeben.











Hallo Herr Bütikofer,
Das Familienunternehmen RATAGS Holzdesign HEIPRO GmbH ist zwar in unserer Region bekannt aber nicht als Unternehmen was Löhne zahlt, von denen die Menschen existieren können. Darum geht es ja bekanntlich bei keiner der Parteien im Bundestag.
Mich würde die Begründung des Herrn Michael Weichert interessieren die zu diesem Vorschlag geführt haben!
MfG
W. Baumann
Lieber Herr Baumann,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich habe ihn an Michael Weichert weitergeleitet und ihn darum gebeten Stellung zu nehmen. Michael hat mir wie folgt geantwortet.
Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Bütikofer
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Hallo Reinhard,
auf die Kritik von Herrn Baumann, bei RATAGS würden Löhne gezahlt, von denen die Menschen nicht existieren können, möchte ich zunächst Folgendes antworten: Laut der Geschäftsführung der RATAGS Holzdesign HEIPRO GmbH erhalten die Produktionsmitarbeiter einen durchschnittlichen Stundenlohn von 6,50 Euro, wobei jede gearbeitete Stunden auch tatsächlich bezahlt wird. Dies wäre in jedem Fall ehrlicher als sich pro forma auf einen höheren Stundensatz zu verständigen, um danach permanent nicht bezahlte Mehrarbeit anzuordnen, wie es leider auch nicht selten praktiziert wird. Wir sollten ebenfalls nicht vergessen, dass der Betrieb im strukturschwachen ländlichen Raum Sachsens angesiedelt ist. Dieser ist u.a. durch
* hoher Arbeitslosigkeit und negative Bilanz Ein-/Auspendler
* fehlenden Arbeits- und Ausbildungsplätzen in Industrie und Landwirtschaft,
* ungenügender Identitätsfindung auf Grund vieler Probleme der hier lebenden Menschen,
* Defizite des Innen- und Außenmarketings der Region,
* zum Teil ungenügenden Vermarktungsstrategien für Erzeugnisse und Dienstleistungen der Region sowie bei den Tourismusleistungen, sowie
* noch lückenhaften Wertschöpfungsketten und Stoffkreisläufen
gekennzeichnet (Quelle: Regionalbauernverband Sächsische Schweiz – Osterzgebirge e.V.).
Meiner Einschätzung zufolge spielt das Unternehmen RATAGS und seine Entwicklung in all diesen Problemfeldern eine positive Rolle. So sind über 90% der geschaffenen Arbeitsplätze Frauenarbeitsplätze vor Ort. Das Unternehmen bietet ca. 30 Ausbildungsplätze, nicht selten mit anschließender Übernahme der Ausgebildeten. Die Produkte haben einen sehr deutlichen regionalen Bezug – sind also in gewisser Weise identitätsstiftend – und werden mit viel Engagement und Ideenreichtum weit über regionale Grenzen hinaus vermarktet. Entsprechend der wirtschaftlichen Lage (erzgebirgische Volkskunst muss sich vehement gegen Plagiate aus Fernost wehren) werden zum Jahresende Gratifikationen an die Mitarbeiter ausgezahlt.
Ich denke, all diese Argumente reichen, meinen Vorschlag zu begründen. Trotzdem habe ich bei der Agentur für Arbeit in Pirna das regionale und branchenübliche Lohnniveau abgefragt. Sie hat mir bestätigt, dass der Lohn in der Branche vor Ort mit 6,50 im Bereich des Normalen liegt. Generell liegt er im Bereich von 6,50 bis 7,50/h mit ganz leicht steigender Tendenz.
Bis bald mal wieder in Sachsen,
schöne Grüße
Michael